Ratgeber · Overlock-Maschinen

Bündchen annähen mit der Overlock: zuschneiden, abstecken und gleichmäßig dehnen

Redaktion Oma Schmidts Masche Aktualisiert am 30.10.2026

Ein Bündchen schließt Ärmel, Halsausschnitt oder Saum elastisch ab. Mit der Overlock verbindest und versäuberst du die Kanten in einem Arbeitsgang. Damit das Bündchen später glatt anliegt, kommt es auf drei Dinge an: die passende Länge, eine gleichmäßig verteilte Dehnung und eine ruhige Stoffführung beim Nähen.

Das Prinzip: Nur das Bündchen wird gedehnt

Beim Annähen dehnst du das Bündchen, den Hauptstoff dagegen nicht. Auf diesen Unterschied kommt es an: Ziehst du an beiden Lagen, verzieht sich die Öffnung oder wird wellig. Dehnst du nur das Bündchen, und zwar gleichmäßig, zieht es sich nach dem Nähen wieder zusammen und legt sich an.

Material und Maße vorbereiten

Bündchenstoff und Hauptstoff auswählen

Bündchen werden meist aus elastischer Maschenware genäht. Wichtig ist nicht nur, wie weit sich der Stoff dehnen lässt, sondern auch, ob er danach wieder in seine Form zurückspringt. Ein Stoff, der sich weit ziehen lässt, aber ausleiert, beult am fertigen Teil aus.

Bündchen- und Hauptstoff sollten außerdem vom Gewicht her zueinander passen. Ein sehr festes Bündchen zieht einen dünnen Ärmel zusammen, ein schwerer Hauptstoff kann umgekehrt ein schmales Bündchen nach unten ziehen. Bist du unsicher, halte beide Stoffe aneinander und schau, wie sie sich zusammen verhalten.

Die Länge des Bündchens bestimmen

Miss zuerst die Öffnung, an die das Bündchen kommt: beim Ärmel den Umfang der Ärmelöffnung, beim Saum den Umfang der unteren Kante. Leg dafür ein Maßband an der Kante entlang, ohne den Stoff zu dehnen.

Das Bündchen muss kürzer sein als die Öffnung, damit du es beim Annähen dehnen kannst. Um wie viel, hängt davon ab, wie dehnbar der Bündchenstoff ist, wie gut er zurückspringt und wie eng das Bündchen sitzen soll. Eine feste Regel, die für jeden Stoff passt, gibt es nicht. Denk außerdem an die Nahtzugaben an den kurzen Seiten des Streifens.

Hast du ein Kleidungsstück mit ähnlichem Bündchen, kannst du dich daran orientieren. Sonst schneidest du den Streifen lieber etwas länger zu, legst ihn zur Probe um die Öffnung und prüfst, ob er sich angenehm dehnen lässt, ohne sich stark zu verziehen. Ein zu kurzer Ring lässt sich beim Nähen kaum gleichmäßig verteilen und zieht die Öffnung zu stark zusammen.

Streifen zuschneiden und zum Ring schließen

Schneide das Bündchen in der passenden Höhe und Länge zu. Die Höhe richtet sich danach, wie breit das fertige Bündchen aussehen soll. Denk daran, dass es später doppelt liegt und die Nahtzugaben noch dazukommen.

Leg die kurzen Seiten rechts auf rechts aufeinander und schließ den Streifen zum Ring. Das geht mit der Overlock oder mit einem dehnbaren Stich an der Nähmaschine. Dehne den Streifen dabei nicht. Streich die Nahtzugabe danach flach, ohne den Stoff zu dehnen; eine Overlocknaht legst du dabei zu einer Seite.

Falte den Ring der Länge nach zur Hälfte, linke Seite innen, sodass die offenen Kanten aufeinanderliegen. Die Bruchkante ist später die sichtbare Außenkante des Bündchens.

Das Bündchen an der Overlock annähen

Viertel markieren

Damit sich die Dehnung gleichmäßig verteilt, teilst du sowohl die Öffnung als auch das gefaltete Bündchen in Viertel. Leg dazu jede Kante flach zur Hälfte, markiere die Bruchstellen und halbiere dann noch einmal. Als Markierung genügen Stecknadeln, Stoffklammern oder ein Strich mit Schneiderkreide in der Nahtzugabe.

Am Ärmel liegt eine Markierung meist an der Ärmelnaht, die übrigen verteilen sich gleichmäßig darum herum. Am Saum helfen die Seitennähte sowie die vordere und hintere Mitte. Wichtig ist, dass die Markierungen von Bündchen und Öffnung zueinanderpassen. So behandelst du jede Strecke zwischen zwei Markierungen als eigenes kleines Stück.

Die Stofflagen richtig anordnen

Das Kleidungsstück liegt dabei auf rechts. Schieb das gefaltete Bündchen über die Öffnung, sodass seine offenen Kanten bündig mit der Schnittkante der Öffnung liegen. Damit liegen Bündchen und Hauptstoff rechts auf rechts. Die Naht des Bündchenrings legst du auf die Seiten- oder Ärmelnaht oder knapp daneben, damit sich dort nicht zu viele Lagen stapeln.

Steck die Markierungen aufeinander. Weil die Öffnung länger ist als das Bündchen, hat der Hauptstoff zwischen zwei Markierungen etwas mehr Weite. Die gleichst du aus, indem du das Bündchen zwischen den Markierungen dehnst. Die Kante des Hauptstoffs bleibt dabei glatt und wird nicht mitgezogen.

Gleichmäßig nähen und dehnen

Prüf vor dem Annähen an einem Stoffrest, ob die Overlocknaht sauber aussieht und dehnbar bleibt. Schnittbreite und Stichbreite sollten zur Stoffdicke und zur Nahtzugabe passen. Bei sehr feinem, dickem oder besonders elastischem Material musst du die Einstellungen eventuell anpassen; maßgeblich sind die Bedienungsanleitung deiner Maschine und das, was die Probe zeigt.

Beginne an einer Markierung und näh bis zur nächsten. Dehne das Bündchen nur so weit, dass seine Kante genau auf der Kante des Hauptstoffs liegt. Führe die Lagen ohne Zug durch die Maschine: Das Bündchen übernimmt die Dehnung, der Hauptstoff wird nur geführt. Ziehst du hinter dem Nähfuß am Stoff, dehnt sich die Naht oder die Kante wellt sich. Ist eine Strecke fertig, richtest du die nächsten Markierungen aus und machst genauso weiter.

Zieh Stecknadeln und Klammern rechtzeitig heraus, bevor sie den Nähfuß erreichen – über eine Stecknadel sollte die Overlock nie nähen. Kommst du wieder am Anfang an, näh die Runde zu Ende und sichere Anfang und Ende der Naht. Wie du die Fadenkette sicherst, steht im Ratgeber Overlock für Einsteiger. Schneide überstehende Fadenketten erst ab, wenn die Naht gesichert ist.

Ohne Overlock: Bündchen mit der Nähmaschine annähen

Hast du keine Overlock, kannst du ein Bündchen auch mit der Nähmaschine annähen. Vorbereitung, Viertelmarkierungen und Dehnen bleiben gleich. Entscheidend ist der Stich: Ein Geradstich gibt nicht nach und kann reißen, wenn das Bündchen gedehnt wird. Nimm deshalb einen elastischen Stich, etwa einen schmalen Zickzack oder den Stretchstich deiner Maschine, und eine Jerseynadel. Welcher Stich sich wofür eignet, zeigt die Übersicht Nähstiche: welcher Stich wofür.

Ergebnis kontrollieren und Fehler beheben

Klapp das Bündchen nach dem Nähen nach außen, sodass die Nahtzugabe nach innen zum Hauptstoff zeigt. Prüf, ob die Naht rundum gleichmäßig liegt. Dehne das Bündchen vorsichtig und lass es wieder los: So siehst du, ob es sich ausreichend mitbewegt und ob sich einzelne Stellen zusammenziehen.

  • Die Öffnung wellt sich: Meist wurde der Hauptstoff mitgedehnt oder das Bündchen ungleichmäßig gedehnt. Prüf auch, ob die Bündchenlänge zum Stoff passt.
  • Das Bündchen sitzt zu straff: Ein zu kurzer Ring zieht die Öffnung stark ein. Lässt sich die Naht noch auftrennen, setzt du das Bündchen mit angepasster Länge neu an.
  • Das Bündchen steht ab: Entweder springt der Stoff zu wenig zurück, oder der Ring ist im Verhältnis zur Öffnung zu lang. Achte beim nächsten Mal auf die Eigenschaften des Bündchenstoffs und passe die Länge an.
  • Die Naht trägt dick auf: Prüf, ob mehrere Nahtzugaben genau übereinanderliegen. Liegt die Ringnaht knapp neben der Seitennaht statt direkt darauf, verteilen sich die Lagen.

Such bei einem Fehler zuerst die Ursache, statt an der fertigen Kante kräftig zu ziehen – starkes Dehnen verformt Maschenware dauerhaft. Musst du eine Naht auftrennen, arbeite vorsichtig, damit weder Bündchen noch Hauptstoff Schaden nehmen.

Fazit

Ein gleichmäßig angenähtes Bündchen beginnt mit den richtigen Maßen und sorgfältigen Markierungen. Wenn du nur das Bündchen dehnst, die Öffnung glatt führst und Strecke für Strecke nähst, schließt du die Naht an der Overlock kontrolliert. Prüf zum Schluss, ob das Bündchen elastisch sitzt und die Kante ohne Wellen anliegt. Für feine Kanten, an die kein Bündchen gehört, ist der Rollsaum mit der Overlock die Alternative; weitere Themen rund um die Maschine findest du in der Übersicht Overlock-Maschinen.

Häufige Fragen

Kann ich ein Bündchen auch an einen Halsausschnitt nähen?

Ja, das Prinzip mit Ring, Viertelmarkierungen und gleichmäßig verteilter Dehnung funktioniert auch am Halsausschnitt. Weil die Öffnung kleiner und stärker geformt ist, lohnt sich hier besonders sorgfältiges Markieren. Achte darauf, das Bündchen nicht so stark zu kürzen, dass sich der Ausschnitt zusammenzieht.

Was tun, wenn sich der Bündchenring beim Nähen verdreht?

Halte vor dem Nähen die Markierungen zusammen und prüf, ob der Ring flach zwischen den Klammern liegt. Wenn du Strecke für Strecke arbeitest, verdreht er sich selten. Ist die Verdrehung schon eingenäht, trennst du den betroffenen Abschnitt vorsichtig auf und richtest ihn neu aus.

Lässt sich ein Bündchen nachträglich verlängern?

Durch Ziehen nicht, dabei verformt sich nur der Stoff. Je nach Verarbeitung kannst du die Naht öffnen und einen längeren Ring einsetzen. Prüf vorher, ob an der Öffnung dafür noch genug Stoff vorhanden ist.

Welche Seite des Bündchenstoffs gehört nach außen?

Bei vielen Bündchenstoffen sind rechte und linke Seite gut zu unterscheiden, bei manchen sehen sie fast gleich aus. Leg vor dem Zuschneiden fest, welche Seite sichtbar sein soll, und markiere bei Bedarf die linke Seite. Beim Falten liegt die linke Seite innen, die rechte ist nach dem Annähen außen zu sehen.

Redaktionell kuratiert und aufbereitet aus Herstellerangaben und Datenblättern – keine eigenen Laborprüfungen. Wie wir vergleichen, steht unter Über uns.

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